Headhunter von Jo Nesbø

Klappentext:

Roger Brown genießt als Headhunter in Wirtschaftskreisen einen exzellenten Ruf. Was niemand weiß: Er spioniert seine Klienten aus und raubt ihre Kunstwerke. Auf einer Vernissage lernt Brown den Holländer Clas Greve kennen. Greve scheint ihm die perfekte Besetzung als Geschäftsführer eines GPS-Unternehmens. Die Männer kommen ins Geschäft, und so erfährt Brown, dass Greve einen lange verloren geglaubten Rubens besitzt. Am nächsten Tag stiehlt Brown das wertvolle Gemälde. Doch er hat Greve unterschätzt. Eine gnadenlose Verfolgungsjagd beginnt.

So hat es mir gefallen:

Roger ist ein arroganter Sack, selbstgefällig und manipulativ. Die einzige Achillesferse scheint seine attraktive Frau Diana zu sein, die er abgöttisch liebt.

Als er sich mit Clas Greve anlegte und in ihm offensichtlich seinen Meister gefunden hatte, empfand ich kein Mitleid für Roger, sondern hab schadenfroh beobachtet, wie er versuchte, sich aus einer riesigen Misere wieder herauszuwinden. Schon ein seltsames Gefühl, einen Ich-Erzähler absolut nicht zu mögen, aber durch das Buch trotzdem gut unterhalten zu werden. Nach einem etwas zähen Anfang entwickelte sich dann doch gehörige Spannung und ich den Wunsch, dass Rogers Bemühungen erfolgreich sein mögen und drückte ihm die Daumen.

Auch ohne eine meiner Lieblingsfiguren Harry Hole ist das hier ein ganz typischer Nesbø, denn man meint, alles oder vieles zu wissen und am Ende ist doch alles anders. Auch diesmal bin ich von der unerwarteten Wendung überrascht worden und hab das Buch gut unterhalten zugeklappt.


Bullen und Schweine von Josef Kelnberger

Klappentext:

Tote Schweine, ratlose Bullen

«Ein wenig eine Pietät hat auch die tote Sau verdient», spricht Mastbauer Bergmüller. Betreten steht der Münchner Kommissar Konrad Wolf vor einem Schweinesarg. Allerdings wurde darin keine Sau, sondern ein toter Mensch gefunden. Ein erstochener niederbayerischer Unternehmer, der Mann von Wolfs Jugendfreundin Klara außerdem. Deswegen hat sich Wolf am Morgen auf den Weg gemacht in die Provinz. Bald stellt sich heraus: Hätte er es bloß gelassen. Während ein hasserfüllter Mörder die niederbayerische Bevölkerung dezimiert, wird der Kommissar von Dämonen aus der Vergangenheit heimgesucht. Der Fall: reiner Sprengstoff!

 Mein Leseeindruck:

Dieses Buch ist kein typischer Regionalkrimi. Es werden zwar die Eigenheiten der niederbayerischen bäuerlichen „Quadratschädel“ thematisiert und die Unterschiede zu den Münchner Großstadtbewohnern immer wieder klar gemacht. Doch Kommissar Wolf gehört zu beiden Gruppen, ist er doch als junger Mann Hals über Kopf aus dem Gäuboden nach München gegangen, um dem Landleben zu entfliehen. Sein kompliziertes und von seinen eigenen Dämonen bevölkertes Innenleben mit reichlich Phobien, Ängsten und wahnhaften Ansätzen nimmt einen großen Teil dieses Buches ein, die Krimihandlung wird dadurch gerne in den Hintergrund gedrängt. Seine oft verschrobenen Gedankengänge sind manchmal anstrengend zu lesen. Auch das, was die anderen Personen tun oder meinen, ist nicht immer gradlinig und nachvollziehbar. Damit ich diese Skurrilitäten genießen könnte, hätte ich mehr – von mir aus gerne zynischen – Humor gebraucht. Leider gab es den nicht, obwohl der Einstieg ins Buch bei mir diesen Eindruck erweckte.

Die Sprache fällt durch viel indirekte Rede auf und ist gespickt mit Adjektiven und bildhaften Formulierungen, die mir stellenweise gut gefallen haben, aber in anderen Abschnitten einfach zuviel des Guten waren. Auch hier hätte mir etwas mehr Geradlinigkeit und Konzentration auf die Handlung besser gefallen.

Durch viele Abschweife ins Innenleben und die Vergangenheit des Kommissars wird die Handlung immer wieder gebremst und die Spannung bleibt trotz Verfolgungsjagden und mehrere Schusswechsel mäßig. Immerhin habe ich mich beim Lesen nicht direkt gelangweilt und konnte auch „dran bleiben“ an der Geschichte. Wer einen spannenden klassischen Krimi im Provinzmilieu erwartet, dem kann man nur von „Bullen und Schweine“ abraten. Wer aber etwas Ungewöhnliches sucht, sich auch auf Experimente einlassen mag und die gemächliche Gangart schätzt, der wird an diesem Buch seine Freude haben.

Das Skript von Arno Strobel

Inhaltsangabe aus dem Klappentext:

Eine Studentin bekommt per Post rätselhafte Botschaften zugeschickt auf Menschenhaut geschrieben. Die Polizei verdächtigt den früheren Bestsellerautor Christoph Jahn: In dessen Roman schneidet ein Serienkiller jungen Frauen die Haut vom Körper, um darauf den Anfang seines Romans, der von allen Verlagen abgelehnt worden ist, auf grausige Weise neu zu schreiben. Doch Jahn schiebt die Schuld auf einen geisteskranken Fan, der bereits vor Jahren Verbrechen aus seinen Romanen nachgestellt haben soll, aber nie gefasst wurde. Die grausige Geschichte scheint sich zu wiederholen …

So fand ich das Buch:

Die beiden Ermittler Matthiessen und Erdmann sind sich anfangs unsympathisch und auch ich mochte die beiden nicht besonders, aber dann wachsen sie doch zu einem Team zusammen und mir im Laufe des Buches ans Herz. Sie stehen für einander ein und das Misstrauen, dass Chef Stohrmann zwischen ihnen zu säen versucht, lässt sie eher noch enger zusammen rücken.

Die Jagd nach dem psychopathischen Entführer geschieht unter Zeitdruck und mehr als ein Verdächtiger hat etwas zu verbergen. Der Leser kann miträtseln bei der Tätersuche (was mit persönlich immer sehr gut gefällt) und wird eins ums andere Mal auf eine falsche Fährte gelockt. Die Spannung ist durchgängig hoch, es gibt keine Atempausen.

Die kurzen Kapitel aus der Sicht eines Opfers sind harter Tobak und bestimmt nicht für empfindliche Gemüter geeignet. Sie gehen einem nicht mehr aus dem Kopf, auch wenn sie nur einen kleinen Teil des Buches ausmachen, da die Panik und Todesangst des Opfers sehr anschaulich beschrieben ist. Der Schwerpunkt liegt mehr auf Krimi/Thriller als auf Psycho, was mir ausgesprochen gut gefällt und „Das Skript“ zu meinem Favoriten unter den Strobel-Thrillern macht.

Der traurige Polizist von Deon Meyer

Klappentext:

Der Polizist Mat Joubert hat alles verloren. Seine Frau ist bei einem Polizeieinsatz ims Leben gekommen. Seitdem ist er kaum noch fähig, seinen Dienst zu verrichten. Doch dann kommt ein neuer Chef in die Abteilung, der ihn am liebsten kaltstellen möchte, und gleichzeitig beginnt eine mysteriöse Mordserie, die ganz Kapstadt in Aufregung versetzt. Mit einer deutschen Pistole aus dem 19. Jahrhundert werden Weiße umgebracht, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben.

Mein Eindruck:

Aufgefallen sind mir gleich am Anfang die ungewohnten Namen der Personen, die einem immer wieder klar machen, dass das Buch auf einem anderen Kontinent und fast schon in einer anderen Welt spielen. Die verschiedenen Bevölkerungsgruppen Südafrikas sind nicht das Hauptthema, aber die Problematik zwischen Schwarz und Weiss fließt am Rande immer wieder in die Erzählung ein.

Hauptfigur Mat Joubert ist menschlich am Ende, aber gerade eben nicht der Typ „abgestürzter Ermittler“, der die gängigen Klischees erfüllt und mich schon nervt, wenn er wieder mal in einem Buch verwurstet wird. Man leidet mit dem sympathischen großen und übergewichtigen Polizisten, der sich im Laufe des Buches im wahrsten Sinne des Wortes freischwimmt. Mats Gefühlswelt ist ebenso lesenswert wie die verschiedenen Nebenfiguren, denen mit wenigen Sätzen schon gekonnt Leben eingehaucht und eine eigene Geschichte verliehen wird.

Anfangs eher nebenbei wird die Mordserie verfolgt und auch die Grundstimmung ist gemächlich, aber nicht langweilig. Bis die Tatsache, dass immer weiter gemordet wird, einen gewissen Druck auf Mat aufbaut, denn er findet das Motiv nicht, das den unbekannten Mörder entlarven könnte. Die Krimihandlung gewinnt erst allmählich an Bedeutung und bevor man sich versieht, wurde man in die Geschichte förmlich gegen seinen Willen hineingezogen und kann das Buch nicht mehr weglegen.

Ein Krimi, der die Leichtigkeit guter Unterhaltung mit tiefen Einblicken in die menschliche Seele verbindet.