Fränkische Kriminacht am 18. April 2012 in der Nürnberger Tafelhalle

Endlich war es wieder mal soweit. In der sehr gut besuchten Nürnberger Tafelhalle fand die fränkische Kriminacht statt. Ich freute mich schon auf Lesungen verschiedener fränkischer Krimiautoren und obendrein sollte noch der 1. Fränkische Krimipreis verliehen werden, der von den Nürnberger Nachrichten und dem Ars Vivendi Verlag ins Leben gerufen worden war.

Als wir die Tafelhalle betraten, spielte auf der Bühne schon das Trio „The Good News“ (Keyboard, Saxophon, Bass) bekannte Krimi-Melodien und brachte uns in die richtige kriminalistische Stimmung. Moderiert wurde der Abend von „Kommissar Kant“, dargestellt von Thomas Herr, der allerdings mit seiner etwas langatmigen Suche nach sich selbst und dem Sinn seines Hier-Seins nicht ganz meinen Geschmack traf. Auch die Versuche, das Publikum in seine Überlegungen mit einzubeziehen, führte nur zu peinlichen Stammlern oder nichtssagenden Antworten, die in mir eigentlich nur den Wunsch nach der nächsten Lesung weckten.

Zum Glück gab es reichlich davon. Tessa Korber, Ewald Arenz, Jan Beinßen, Veit Bronnenmeyer, Tommie Goerz, Thomas Kastura und Dirk Kruse gaben Kurzgeschichten oder Ausschnitte aus längeren Veröffentlichungen zum Besten. Mein persönlicher Favorit war Tessa Korbers Lesung der hintersinnigen Tagebucheintragungen einer Ehefrau, die sich selbst entlarvte und es gar nicht merkte. Sehr gelungen! Aber auch die anderen Autoren erinnerten mich daran, dass einige ihrer Werke noch ungelesen bei mir zuhause liegen und endlich genossen werden wollen.

Nach fast zwei Stunden gab es eine Pause, in der man sich um den kleinen und überlaufenen Büchertisch drängeln konnte oder sich mit den Hundertschaften anderer Besucher in die Schlage vor der Getränketheke einreihte. Wie das bei solchen Veranstaltungen leider oft der Fall ist, waren wieder mal zu wenig Servicekräfte da, so dass man sein Getränk erst zum Ende der immerhin 20minütigen Pause erhielt und schnell hinunterstürzen musste.

Im zweiten Teil der Veranstaltung wurde der Fränkische Krimipreis an Nachwuchsautoren verliehen. Der Sieger Killen McNeill, der seine Jugendjahre doch schon einige Jahrzehnte hinter sich gelassen hatte, freute sich darüber, in seinem Alter noch einen Preis für Nachwuchsautoren zu bekommen. Die Lesung seiner Siegergeschichte zeigte mir dann aber, dass er zu Recht den Geldpreis und die Veröffentlichung von „Pfarrers Kinder, Müllers Vieh“ in der Anthologie „Tatort Franken Nr. 3“ aus dem Ars Vivendi Verlag gewonnen hatte.

Open-Air-Lesung von Volker Klüpfel und Michael Kobr zu „Schutzpatron“ am 30.06.2011 im Gutmann in Nürnberg

Obwohl es am Tag vorher gewaltig abgekühlt hatte, sah es nicht nach Regen aus und die Lesung konnte wie vorgesehen im Biergarten stattfinden. Mit Decken und Kissen bewaffnet strömte das Publikum herein und versorgte sich erst mal mit Getränken und leckerem Essen. Es gab eine auf Klufti abgestimmte Speisekarte mit Kässpätzle und Weisslacker, aber auch beispielsweise die klassischen „Drei im Weggla“ und Brezeln.

Eröffnet wurde die Lesung mit einer Übersicht, in welchen Ländern die Kluftinger-Bücher inzwischen erhältlich sind (darunter so exotische wie Mazedonien) und einer Lesungs-Kostprobe von Michael Kobr auf tschechisch.

Dann folgten einige Auszüge aus dem aktuellen Buch „Schutzpatron“, die so gewählt waren, dass sie von der Krimihandlung nicht zu viel verrieten, aber trotzdem zu Lachanfällen und Schenkelklopfern beim Publikum führten. Wie immer lasen die beiden Autoren mit verteilten Rollen und unterbrachen sich gegenseitig mit Lob oder öfter noch Kritik an der Darbietung des Co-Autors (besonders das Gesangstalent von Michael Kobr wurde sehr kritisch bewertet) und nahmen sich gegenseitig auf die Schippe. Neben Allgäuerisch gab es auch Niederbayerisch und Wienerisch zu hören, was für mich alles sehr originalgetreu klang und das Flair des Buches nochmal steigerte.

Aufgelockert wurde die Lesung durch sketchartige Einlagen darüber, wie die erste gemeinsame Lesung der Autoren vor 10 Jahren abgelaufen war und wie wohl in 25 Jahren die Lesung zu Band 87 verlaufen könnte. Es gab außerdem eine akustische Kostprobe vom Kluftinger mit englischem Akzent.

Volker Klüpfel betätigte sich als Model für die Kluftinger-T-shirts und erschien zur ersten Hälfte der Lesung in einem „Primulant“-Shirt und nach der Pause hatte das Shirt denn Aufdruck „Butzele“, was dem bis heute unbekannten Vornamen von Kommissar Kluftinger noch am nähesten kommt.

Ich hatte das Gefühl, dass die Autoren sich etwas mehr als bei der Lesung zu „Laienspiel“ darauf konzentrierten, aus dem Buch zu lesen und nicht so viel zum Thema Buch oder Allgäu im Allgemeinen zum Besten gaben. Weil aber durchweg sehr lustige Stellen aus dem Buch ausgesucht worden waren, hat mir diese Aufteilung sehr gut gefallen.

Den furiosen Abschluss bildete der Beweis, dass die Kluftinger-Bücher keine Regionalkrimis sind. Denn es wurde den Zuhörern akustisch und auch optisch (mit verschiedenen Hüten und Perücken, die die einzelnen Rollen unterstrichen) vorgeführt, wie ein Regionalkrimi von Klüpfel und Kobr denn aussehen würde. Das war zwar extrem lustig, hatte aber mit Kommissar Kluftinger tatsächlich nicht viel zu tun. Und so bin ich froh, dass Klüpfel und Kobr KEINE Regionalkrimis schreiben, sondern höchst lesenswerte und amüsante Geschichten um den Allgäuer Polizisten Kluftinger und auch bei Lesungen einen kurzweiligen Abend bieten. Sehr empfehlenswert!

Weitere Lesungstermine in der Region:

02. Dezember 2011 im Redoutensaal in Erlangen

05. April 2012 in der Comödie Fürth

Beide Veranstaltungen sind über die Homepage der Comödie buchbar.

Ewald Arenz – Ehrlich & Söhne

Am Donnerstag, den 18. März war ich in der Bücherstube um die Ecke zur Lesung des Autors Ewald Arenz, der hier aus der Gegend (aus Fürth) kommt. Bisher habe ich noch nichts von ihm gelesen, konnte mich aber auf den guten Geschmack der Bücherstube-Leute verlassen und freute mich auf den Abend.

Und wie erhofft amüsierte ich mich köstlich. Die meiste Zeit bekam ich ein Grinsen nicht aus dem Gesicht. Der schwarze, trockene Humor, mit dem die Familiengeschichte der Ehrlichs aus der Warte eines Sohnes heraus erzählt wird, lag genau auf meiner Linie. Mehr als einmal lachte ich laut und herzlich im Chor mit den anderen Lesungsbesuchern. Trotzdem war das Buch alles andere als Klamauk. Es gab auch ernste und gefühlvolle Lese-Abschnitte, die den Tod der Großmutter behandelten. Diese Mischung aus Lausbubengeschichten und liebevoll geschildertem normalen Leben mit all seinen Höhen und Tiefen hat mir ausgesprochen gut gefallen.

Leider bekam man neben leckerem Fingerfood und Getränken (wie das bei der Bücherstube luxuriöser Standard ist) nur einen viel zu kurzen anregenden Appetithappen auf das Buch, so dass ich beschloss, „Ehrlich & Söhne“ auf meine Wunschliste zu setzen, weil ich das komplette Buch ganz sicher sehr mögen werde.